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16.11.2018

Besuch historischer Stätten des Judentums in Homburg

Exkursion in Zusammenhang mit der Pogrom-Nacht am 9. November 1938


Die Synagoge in Homburg um 1920

Der Marktplatz in Homburg

Das Geschäftshaus Salmon vor und nach der Pogromnacht

Der Jüdische Friedhof heute

Die Ruinen der Synagoge im Jahr 2018

80 Jahre danach

Ausgehend von der momentanen Beschäftigung mit der Religion des Judentums im Unterricht und dem zeitlich naheliegenden Gedenktag an die Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938, den das damalige Terrorregime der Nationalsozialisten vor genau 80 Jahren in beschönigender Weise als „Reichskristallnacht“ bezeichnete, besuchten die Schüler der katholischen Religionsgruppe der 10. Klassenstufe am 8. November die Stadt Homburg.

Bei dieser Unternehmung ging es dankenswerter Weise unter der Führung von Herrn Hans-Joseph Britz vom Stadtarchiv der Stadt Homburg darum, mit einem anderen Augenmerk als bei sonstigen Besuchen in der Stadt Zeugnisse der Geschichte des Judentums in Homburg zu entdecken.
Zunächst führte unser Weg vorbei an der Hohenburgschule, wo es früher neben den damals üblichen katholischen und evangelischen Klassen auch eine jüdische Klasse gab, in die heutige Karlsbergstraße. In früheren Zeiten hatte diese Straße die Bezeichnung Judengasse, da in dieser Straße damals viele Homburger Familien jüdischen Glaubens wohnten, was uns Herr Britz durch den Vergleich alter Fotos mit den heute noch bestehenden Häusern veranschaulichte.

Als nächste Station erreichten wir den gut erhaltenen Jüdischen Friedhof, der in Homburg im Unterschied zu vielen anderen Orten zentral gelegen ist, was mit ein Hinweis darauf ist, dass die jüdischen Einwohner Homburgs in das damalige Stadtleben bis zum Zeitpunkt des Aufkommens des Nationalsozialismus als deutsche Staatsbürger mit jüdischem Glauben gut integriert waren.
Bemerkenswert ist, dass auf den jüdischen Friedhöfen eine dauerhafte Totenruhe gilt und keine begrenzte Ruhefrist. Deswegen sind auf dem Homburger Jüdischen Friedhof jahrhundertealte Grabsteine in großer Anzahl zu finden, die inhaltsvolle Inschriften tragen, wie zum Beispiel: Seine Seele sei eingebunden im Bündel des Lebens (1Sam25,29). All dies gibt diesem Ort einen eigenen Charakter der Ruhe und der Besinnung.
 
Auf unserem weiteren Weg gelangten wir zu dem Alten Marktplatz Homburgs. Auch hier waren in der Vergangenheit verschiedene der heutigen Geschäftshäuser im Besitz jüdischer Bürger. An diesem Ort machte uns Herr Britz darauf aufmerksam, dass nach langen Verhandlungsjahren nunmehr geplant ist, auf dem alten Marktplatz ein Denkmal zu errichten, das an die Verfolgung und Ermordung der jüdischen Bürger der Stadt Homburg erinnern wird.

Ganz in der Nähe des Marktplatzes befindet sich in der Klosterstraße die Ruine der früheren Synagoge, die seit 1860 an Stelle der sich dort zuvor befindlichen Franziskanerkirche das Versammlungshaus der jüdischen Gemeinde bildete.
Passend zu diesem Ort wies Herr Britz mit Hinweis auf die Verwandtschaft der jüdischen und der christlichen Religion auf die bemerkenswerte Aussage von Papst Johannes Paul II bei seinem Synagogenbesuch 1983 in Rom: „Ihr seid unsere bevorzugten – unsere älteren Brüder."
Für einzelne Schüler war es eine Neuigkeit zu erfahren, dass in Homburg bis heute die Reste einer Synagoge vorhanden sind. Erschütternd war zu hören, dass am Tag nach der deutschlandweiten
„Reichskristallnacht“ im Jahr 1938 die Synagoge mit staatlicher Duldung unter Beobachtung der Feuerwehr kontrolliert abgebrannt wurde.

Im Innenhof der Ruine der Synagoge erinnerten wir in eindrücklicher Weise an die 30 ermordeten jüdischen Bürger der Stadt Homburg: Jeder Schüler las den Namen einer ermordeten Person, der vielfach den zuvor gesehenen ehemaligen jüdischen Wohnhäusern zugeordnet werden konnte, vor – ganz im Sinne eines Satzes aus dem Talmud: Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist.

Anschließend wurde mit Hilfe eines Fotos die Plünderung - und die Zerstörungswut im Zuge der „Reichskristallnacht“ am konkreten Einzelschicksal des ehemals jüdischen Geschäftshauses der Familie Salmon in der Eisenbahnstraße, in dem sich heute eine Reinigung befindet, illustriert. Auf diese Weise wurde nochmals die Brutalität und die Gewalt, die durch staatlich geschürten Hass gegenüber Menschen, mit denen zuvor das Leben und der Alltag einträchtig gestaltet wurde, nochmals mehr als deutlich.

Nach diesem Gang durch die lokale Historie bewegten wir uns abschließend in Richtung Homburger Rathaus, wo bis zum 9. November die Ausstellung „Jüdisches Leben in Deutschland heute“ zu sehen war.
 
Neben dem Blick auf die deutsch-jüdische, teilweise grausame, gemeinsame Geschichte will die Ausstellung vor allem am Beispiel heutiger Juden in Deutschland zeigen, dass Vielfalt keine Bedrohung, sondern eine Bereicherung ist.

In diese Richtung zielte auch die Absicht dieser Exkursion mit den Schülern der 10.Klassenstufe, war doch bei der Planung dieses Vorhabens unter anderem folgender Gedanke des Altbundespräsidenten von Weizäcker mitbestimmend: Wer vor der Vergangenheit die Augen schließt, wird blind für die Gegenwart.

Und Ähnliches hat wohl auch gerade der französische Präsident Macron anlässlich der 100-Jahr-Feier anlässlich des Endes des Ersten Weltkrieges gemeint, als er vor den Dämonen der Vergangenheit warnte, die sich heute wieder zeigen in der Form von Nationalismus und Rassismus.

Von daher ist letztlich diese Exkursion auch ein aktiver Beitrag zum Selbstverständnis unserer Schule, wenn wir uns schon bald als Schule gegen Rassismus bezeichnen werden und auch so verstehen wollen.


Von: Volker Ruffing

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